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Wo ist der Bearbeiten-Button?

Donnerstag, Juni 19th, 2008

Universal Edit Button

Clay Shirky beobachtet [via Mario Sixtus] bei der vierjährigen Tochter eines Bekannten einen bemerkenswerten Wandel im Medienkonsum:

[...] in the middle of the movie, apropos nothing, she jumps up off the couch and runs around behind the screen [...] rooting around in the cables. And her dad said, “What you doing?” And she stuck her head out from behind the screen and said, “Looking for the mouse.”

Ein Bildschirm ohne interaktive Eingabemöglichkeit sei, so Shirky, für die heranwachsende Generation einfach kein Gerät mehr, vor dem es sich lohne, stupide seine wertvolle Zeit zu verbringen.

Das Internet, schon jetzt das Medium mit dem größtmöglichen Mitmachpotential, wird ab sofort noch einfacher editierbar. Wie ReadWriteWeb berichtet, haben sich die großen Wiki-Betreiber (u.a. Wikipedia) auf einen Standard-Editierbutton geeinigt, der, zunächst über ein Plugin/Addon und später vielleicht standardmäßig, Einzug in die Browser der Otto-Normal-Bürger finden soll. Der Universal Edit Button soll eine Art Gütesiegel für Webseiten werden, der den Besuchern signalisiert “hier kannst du mitmachen, deine Meinung, dein Wissen zählt”.

Eine einfache Idee, die, wenn sie sich durchsetzt, dazu führen könnte, dass Vierjährige nicht nur nach der Maus am TV sondern bald nach dem Editierbutton auf Mainstream-Sites fragen. Vielleicht schaffen wir so die die 2000 Wikipedia-Projekte, die uns derzeit noch der ungezügelte Fernsehkonsum (allein in den USA) jährlich kostet.

Gegendarstellung: Blogs sind irrelevant. Oder?

Donnerstag, April 10th, 2008

Antwort auf meine gestrige Antwort auf Susann. Ich behauptete “Insofern sind “Blogs an sich” ziemlich relevant und werden es immer mehr. Zumal der Hirnschmalz einer ganzen Generation bloggt. Das ist nicht Otto-Normal-Arbeiter, sondern dass sind die Nerds (so nannte man die Witzbolde in den 80ern), die die Zukunft prägen werden.”

Halt, halt, Kommando zurück. Natürlich gibt es auch die Otto-Normal-Blogs, die Was-hab-ich-heute-langweiliges-gemacht-, die Strick-, Katzen-, Auto- und Schule-ist-scheiße-Blogs. Die werden die Zukunft prägen? Vermutlich nicht.

Und selbst bei den A-Bloggern können einem Zweifel kommen (pseudopost.org ist übrigens ein F-Blog, wenn man nach amerikanischen Schulnoten taxiert): sind die meisten A-Blogger nicht viel mehr als die Thomas Gottschalks, Günther Jauchs, Harald Schmidts, Hendryk M. Broders, Ulli Wickerts oder Klaus Bednarz der Web2.0-Generation? Kommentatoren, vielfach unterhaltsam aber nur selten wirklich relevant. Massenkompatible (Masse ist im Vergleich zum TV natürlich sehr relativ) Unterhaltung mit gelegentlichen Informations- oder Lehrauftrag?

A-Blogger sind, und die meisten geben das offen zu, Rampensäue. Ohne den Drang nach vorn oder nach oben, wird man kein A-Blogger.

Wo sitzen aber nun die Visionäre und Funktionäre, die Nerds, die uns, die ahnungslose Masse, in die Zukunft leiten? Erstens abseits der Blogs, in den Universitäten, in Kellern und vielleicht Garagen. Auch in Blogs, ja, aber eher in Tech- oder Dev-Blogs der Liga D-F. Ein Punkt, den Robert Basic oft zu Recht bemängelt. Wissenschaftler an die Blogs! Aber dafür haben die einfach keine Zeit und Rampensäue sind sie meist auch nicht.

Meine Relevanz-Bewertung von Blogs erfährt somit einen kleinen Dämpfer. Die sichtbaren Blogs sind für Meinungsmacher relevant, weil sie selbst Meinungsmacher sind. Vielleicht reicht das auch schon. Für die Zukunft und “The Greater Good” sind vermutlich immer noch andere verantwortlich — die, die leise aber stetig im Verdeckten werkeln.

Aber darum ging es in der Ausgangsfrage eigentlich auch gar nicht. Ich schweife ab.