Gegendarstellung: Blogs sind irrelevant. Oder?

10. April 2008, 12:27 Uhr von Fabian

Antwort auf meine gestrige Antwort auf Susann. Ich behauptete “Insofern sind “Blogs an sich” ziemlich relevant und werden es immer mehr. Zumal der Hirnschmalz einer ganzen Generation bloggt. Das ist nicht Otto-Normal-Arbeiter, sondern dass sind die Nerds (so nannte man die Witzbolde in den 80ern), die die Zukunft prägen werden.”

Halt, halt, Kommando zurück. Natürlich gibt es auch die Otto-Normal-Blogs, die Was-hab-ich-heute-langweiliges-gemacht-, die Strick-, Katzen-, Auto- und Schule-ist-scheiße-Blogs. Die werden die Zukunft prägen? Vermutlich nicht.

Und selbst bei den A-Bloggern können einem Zweifel kommen (pseudopost.org ist übrigens ein F-Blog, wenn man nach amerikanischen Schulnoten taxiert): sind die meisten A-Blogger nicht viel mehr als die Thomas Gottschalks, Günther Jauchs, Harald Schmidts, Hendryk M. Broders, Ulli Wickerts oder Klaus Bednarz der Web2.0-Generation? Kommentatoren, vielfach unterhaltsam aber nur selten wirklich relevant. Massenkompatible (Masse ist im Vergleich zum TV natürlich sehr relativ) Unterhaltung mit gelegentlichen Informations- oder Lehrauftrag?

A-Blogger sind, und die meisten geben das offen zu, Rampensäue. Ohne den Drang nach vorn oder nach oben, wird man kein A-Blogger.

Wo sitzen aber nun die Visionäre und Funktionäre, die Nerds, die uns, die ahnungslose Masse, in die Zukunft leiten? Erstens abseits der Blogs, in den Universitäten, in Kellern und vielleicht Garagen. Auch in Blogs, ja, aber eher in Tech- oder Dev-Blogs der Liga D-F. Ein Punkt, den Robert Basic oft zu Recht bemängelt. Wissenschaftler an die Blogs! Aber dafür haben die einfach keine Zeit und Rampensäue sind sie meist auch nicht.

Meine Relevanz-Bewertung von Blogs erfährt somit einen kleinen Dämpfer. Die sichtbaren Blogs sind für Meinungsmacher relevant, weil sie selbst Meinungsmacher sind. Vielleicht reicht das auch schon. Für die Zukunft und “The Greater Good” sind vermutlich immer noch andere verantwortlich — die, die leise aber stetig im Verdeckten werkeln.

Aber darum ging es in der Ausgangsfrage eigentlich auch gar nicht. Ich schweife ab.

Blogs sind relevant, oder?

10. April 2008, 00:11 Uhr von Fabian

Cross-Post meiner Antwort auf Susanns Beitrag zu Thema: mein Bekannter besteht darauf, dass Blogs irrelevant sind und bald vom großen Bruder Spiegel Online wieder aufgefressen werden:

Beim Thema Bild-Zeitung widersprichst du dir. Du sagst “relevant ist, was MIR Informationen liefert” aber “bei Bild-Zeitung kann man nicht von Relevanz sprechen”. Für die meisten, naja, sehr viele Deutsche liefert die BILD-Zeitung genau die Informationen, die sie haben möchten (und meistens auch die Meinung, die hören wollen und selbst eh schon haben); damit ist sie, nach deiner Definition sehr wohl relevant. Das sagt nix über Qualität.

LongTail und so ist ne schwierige Debatte. Redaktionen und Werbe-Agenturen haben ja meistens eine breitere Zielgruppe — am liebsten würde man alle Deutschen oder alle 14-49-jährigen mit mittlerem Haushaltseinkommen von blabla erreichen, schon klar. Für diese Agenturen sind die klassischen Massenmedien natürlich sehr relevant.

Zweitens muss man zwischen “Blogs an sich” und “einzelnen Blogs” unterscheiden. Einzelne Blogs sind, bis auf die Top10-üblichen Verdächtigen, fast alle irrelevant. Aber in der Masse können Sie viel bewegen. Es gibt nämlich nicht nur *ein* Blog, wie es *einen* Spiegel gibt oder *eine* FAZ. Es gibt hunderttausende Blogs, wovon mindestens ein paar dutzend bis hundert kleine Relevanz haben und sich gegenseitig befruchten, kommentieren etc. Und daraus kann dann Relevanz entstehen.

Gut merkt man das immer daran, dass die klassischen Medien dann “die Blogosphäre” oder die “Internet-Community” zitieren. Namen werden nur nebenbei genannt, und vielleicht nur von den ganz großen.

Insofern sind “Blogs an sich” ziemlich relevant und werden es immer mehr. Zumal der Hirnschmalz einer ganzen Generation bloggt. Das ist nicht Otto-Normal-Arbeiter, sondern dass sind die Nerds (so nannte man die Witzbolde in den 80ern), die die Zukunft prägen werden.