Posts Tagged ‘medien’

Anmerkungen zum Final Countdown im TV

Mittwoch, November 5th, 2008
  • Welcher Praktikant hat das ARD-Design verbrochen? Unlesbare Namenseinblendungen, US-Pathos mit wehenden Flaggen und Sternchen überall. Das schärfste war das Gewinnspiel, dass in seiner bonbon-artig grellen Verspieltheit *genau* so auch bei 9live hätte auftauchen können.
  • Bermerkenswerte Rede, Mr. McCain! Glückwunsch, Mr. Obama!
  • Die Phoenix…äh…Dol…metcher sind im…bei…im Halbschlaf not nicht zu er…äh…tragen.
  • RTL hat die Show-Aspekte betont, war von der Aufmachung aber fast am solidesten.
  • Für gar nicht mal soo alte Herrschaften aus den öffentlich rechtlichen Sendern, ist das Internet immer noch das Ding aus dem Underground, womit sich junge Leute beschäftigen.
  • Twitter ist du-weißt-schon-was bzw. das Ding, dessen Name nicht genannt wird oder “eine dieser sozialen Communities, wo Leute chatten bzw. sich kurze Nachrichten schicken, so vergleichbar mit Textnachrichten auf Mobiltelefonen; die dann zu zehntausenden, ja zu Millionen ihre Erlebnisse schildern, schneller als es die OECD-Wahlbeobachter oder Medienvertreter je können. Das ist alles sehr interaktiv und spanned”.Nicht unbedingt auf den Punkt, aber immerhin.
  • “Chatten” ist im aktiven Wortschatz von Mainstream-Medienleute lange angekommen. “Bloggen” und “twittern” werden wohl noch zehn Jahre brauchen…

Schock: Vermehrt Löcher bei Journalisten!

Mittwoch, Juli 9th, 2008

Eben die Sensationsnachricht auf einem Werbeaufsteller vor einem Kiosk gelesen: Jeder 5. Berliner ist hautkrank! Wow, ich weiß gar nicht, ob es die BÖSE oder eines der anderen Populärorgane für die meinungsimitierenden Bevölkerungsschichten1 war, aber diese Schlagzeile ist den Schlag nicht wert, der in ihr mitklingen soll.

20% der Berliner haben also Schuppen, Pusteln, Akne, Bläschen, Pilze oder was es sonst noch so hübsches gibt. Nur 20% — gar nicht so übel für unsere von pinkfarbenen Hau-wech-den-Dreck-Putzmitteln verseuchte Saubermannpersongesellschaft.

Das einzige, was mich interessieren würde, ist, was für ein Artikel dieser Schlagzeile folgt? Ein von der Pharma- oder Schönheitsindustrie gesponsorter Beitrag über ein neues Clean Skin Ultra Verfahren? Oder, was ich sogar begrüßen würde, eine Klageschrift über den Mangel von angemessen vielen Hautärzten?

Wie dem auch sei, wäre ich Herausgeber eines dieser Totholzprodukte, hätte ich heute folgendes getitelt: “Schock: Jeder 2. Journalist hat ein Sommerloch!”

1 Schamlos bei Dietmar Wischmeyer geklaut.

Kein Fußbreit den vier großen Buchstaben

Freitag, Juni 27th, 2008

Interessante Frage drüben beim Brainblogger: Macht das Bildblog die Bild(-Marke) stärker? Dazu mein Kommentar Warum lese ich Bildblog?

Wo ist der Bearbeiten-Button?

Donnerstag, Juni 19th, 2008

Universal Edit Button

Clay Shirky beobachtet [via Mario Sixtus] bei der vierjährigen Tochter eines Bekannten einen bemerkenswerten Wandel im Medienkonsum:

[...] in the middle of the movie, apropos nothing, she jumps up off the couch and runs around behind the screen [...] rooting around in the cables. And her dad said, “What you doing?” And she stuck her head out from behind the screen and said, “Looking for the mouse.”

Ein Bildschirm ohne interaktive Eingabemöglichkeit sei, so Shirky, für die heranwachsende Generation einfach kein Gerät mehr, vor dem es sich lohne, stupide seine wertvolle Zeit zu verbringen.

Das Internet, schon jetzt das Medium mit dem größtmöglichen Mitmachpotential, wird ab sofort noch einfacher editierbar. Wie ReadWriteWeb berichtet, haben sich die großen Wiki-Betreiber (u.a. Wikipedia) auf einen Standard-Editierbutton geeinigt, der, zunächst über ein Plugin/Addon und später vielleicht standardmäßig, Einzug in die Browser der Otto-Normal-Bürger finden soll. Der Universal Edit Button soll eine Art Gütesiegel für Webseiten werden, der den Besuchern signalisiert “hier kannst du mitmachen, deine Meinung, dein Wissen zählt”.

Eine einfache Idee, die, wenn sie sich durchsetzt, dazu führen könnte, dass Vierjährige nicht nur nach der Maus am TV sondern bald nach dem Editierbutton auf Mainstream-Sites fragen. Vielleicht schaffen wir so die die 2000 Wikipedia-Projekte, die uns derzeit noch der ungezügelte Fernsehkonsum (allein in den USA) jährlich kostet.

Blogs sind relevant, oder?

Donnerstag, April 10th, 2008

Cross-Post meiner Antwort auf Susanns Beitrag zu Thema: mein Bekannter besteht darauf, dass Blogs irrelevant sind und bald vom großen Bruder Spiegel Online wieder aufgefressen werden:

Beim Thema Bild-Zeitung widersprichst du dir. Du sagst “relevant ist, was MIR Informationen liefert” aber “bei Bild-Zeitung kann man nicht von Relevanz sprechen”. Für die meisten, naja, sehr viele Deutsche liefert die BILD-Zeitung genau die Informationen, die sie haben möchten (und meistens auch die Meinung, die hören wollen und selbst eh schon haben); damit ist sie, nach deiner Definition sehr wohl relevant. Das sagt nix über Qualität.

LongTail und so ist ne schwierige Debatte. Redaktionen und Werbe-Agenturen haben ja meistens eine breitere Zielgruppe — am liebsten würde man alle Deutschen oder alle 14-49-jährigen mit mittlerem Haushaltseinkommen von blabla erreichen, schon klar. Für diese Agenturen sind die klassischen Massenmedien natürlich sehr relevant.

Zweitens muss man zwischen “Blogs an sich” und “einzelnen Blogs” unterscheiden. Einzelne Blogs sind, bis auf die Top10-üblichen Verdächtigen, fast alle irrelevant. Aber in der Masse können Sie viel bewegen. Es gibt nämlich nicht nur *ein* Blog, wie es *einen* Spiegel gibt oder *eine* FAZ. Es gibt hunderttausende Blogs, wovon mindestens ein paar dutzend bis hundert kleine Relevanz haben und sich gegenseitig befruchten, kommentieren etc. Und daraus kann dann Relevanz entstehen.

Gut merkt man das immer daran, dass die klassischen Medien dann “die Blogosphäre” oder die “Internet-Community” zitieren. Namen werden nur nebenbei genannt, und vielleicht nur von den ganz großen.

Insofern sind “Blogs an sich” ziemlich relevant und werden es immer mehr. Zumal der Hirnschmalz einer ganzen Generation bloggt. Das ist nicht Otto-Normal-Arbeiter, sondern dass sind die Nerds (so nannte man die Witzbolde in den 80ern), die die Zukunft prägen werden.