Archive for Mai, 2003

Über der Schrift (also über der, die dann darunter …)

Dienstag, Mai 6th, 2003

Ich fuhr zur Wohnung und hatte Probleme beim Parken. Darauf will ich nicht näher eingehen. Jedenfalls bemerkte ich kurz nach dem Aussteigen, dass ich etwas über der Kreuzung stand und überlegte, ob ich den Wagen, wo anders parken sollte. Da hörte ich Stimmen aus dem Dunkeln und wendete mich in deren Richtung. Ich sehe zwei Schatten im Laternenlicht wanken, der eine Schatten ein Fahrrad führend oder vielleicht auch umgekehrt und den anderen Schatten einen Beutel tragend. Der Schatten mit dem Beutel fing an: �Scheiße!�. �Nich alles is Scheiße.� �Doch!� So was passiert scheinbar immer nur in solchen Situationen. Solch grundsätzliche Sachen transzendentaler Bedeutung kurz nach dem Falschparken, so vollkommen beiläufig zu hören. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Moses die Zehn Gebote von einem Berg hinunter bekannt gab. Der saß garantiert auf `m Klo und brüllte wieder mal seine Sippe zusammen. Und dann soll man noch drüber nachdenken. Die beiden Schatten hatten sich seit ihrer letzten Erwähnung auf meiner Seite der Straße sehr, sehr langsam in Richtung koreanisches Serienmodel bewegt. Der Schatten mit Beutel weit mehr schaukelnd als der Schatten mit Fahrrad. Zehn Meter vorm Koreaner sind sie jetzt, neben dem ich stehe und sehe, dass der Schatten mit Beutel dauergewellte gefärbte Haare hat und vielleicht ihren Beutel schon so um die 40, 50 oder 60 Jahre mit sich rumschleppt, ich hab sie jedenfalls nicht gefragt. In dieser Sekunde, in der ich den weißen Rauschebart und die hageren aber weichen Züge vom Fahrradschatten bemerke, scheint mich Beutelschatten zu bemerken. Obwohl ich mich schon vorher nicht bewegt habe, scheinen wir beide jetzt für einen Moment zu verharren, Freeze, kommt öfters vor nach Genuss von Rauschmitteln, ist aber immer wieder interessant. Ich bin eigentlich nüchtern und trotzdem tue ich genau das gleiche, was sie tut, starren, betrachten.
Es gibt keine Zeugen, niemand, wird jemals genau erfahren, wie lange dieser stille Moment dauert, auch Beutelschatten und ich nicht. (Wahrscheinlich gibt es nur stille Momente, alles andere, was man so Moment nennt, ist Brei. Vielleicht habe ich auch bloß zu viele Filme gesehen. Aber Armbanduhren nach ist jeder Moment doch recht kurz und manchmal neigt der Film eben zu schnellen, plötzlichen Schnitten.)
Wenn man sich nicht dafür interessiert, wer in seiner geographischen Umgebung an seiner Kotze erstickt, die Treppe runterknallt, eingeliefert wird oder anderweitig statistisch gesellschaftlich relevant wird, dann sind alle sich bewegenden, potenziellen Organspender Schatten. Man kann sie nummerieren oder sie nach den Erscheinungsmerkmalen ordnen, und wenn man mal ganz viel Zeit hat, beobachtet man sie. Verdammte Scheiße, ich habe kein Zeit und verdammt noch mal wozu auch. Wenn die Welt Scheiße ist, dann riecht es wenigstens keiner. Man ist es ja gewohnt. Spontan entschließen wir uns beide, der Schatten und ich, unsere eigentlichen Aufgaben zu erfüllen, ich gehe schnell zum Wagen, öffne die Tür und setz mich rein und sie wankt weiter zu ihrem Schlafplatz im Wohngebiet der Freundlichkeit. Der Vorsprung von Fahrradschatten beträgt höchstens einen halben Meter und da sein Fahrrad Schlangenlinien fährt, hat Beutelschatten gute Chancen wieder aufzuschließen. Ich hingegen habe Probleme die Tür zu zu kriegen, da sich mein Mantel immer wieder einklemmt. Beide Schatten sind jetzt beim Wagen und das scheiß Innenlicht geht an und aus wegen der Mantel und Tür Story. Aber das ist auch keine bessere Geschichte. Wenn nicht alles Scheiße ist, dann sollte sich das aber bitte schnellsten herausstellen. Wir hätten darüber diskutieren sollen. Aber Fahrrad � und Beutelschatten sind jetzt bei der Laterne, fünf Meter hinterm Wagen, bei zehn Metern, da wo der Laterne die Kraft ausgeht, macht das Fahrrad noch einmal einen großen Bogen vom Bordstein auf die Straße und zurück, der Schatten folgt gehorsam dem Fahrrad und beide Schatten verlassen nach und nach das Licht. Ich lege den Rückwärtsgang ein und werde mich dem Straßenschild nähern, in die entgegengesetzte Richtung. Nur kurz überlege ich mir, den Vorwärtsgang einzulegen und die Schatten von der Scheißwelt zu erlösen, aber ich hatte mir ein Video ausgeliehen, und außerdem kam mir noch der Gedanke, sie könnten es mir vielleicht doch übel nehmen, wenn ich mich derartig einmische. Ich machte das Licht aus, verließ den Wagen und schloss ab.

AQuf zu neuen ufern o. Großstadtkinder

Sonntag, Mai 4th, 2003

die allgemeine ruhepause is vorbei und der orkan stürmt jetzt anderswo. allet in allem hab ick ja den berliner schon janz jut druff, also dacht ick mir wieso noch zögern? “ab inne city und anonym werden” heißt die parole und wenn ick dann als matscher(ich werde in meinem bett sterben und langsam durch die decke meines untermieters sickern…) enden sollte, kommt alle zu meiner beerdigung. als titelsong für den einzug des sarges wäre von den “sex pistols”, die alten chastingkacker, “god save the queen” dran. zur krönung würden klaus&klaus(die eigentlich nicht mehr klaus&klaus sind, weil klaus, der gar nicht klaus hieß, vor 6 jahren ausgestiegen ist und jetzt die schlimmste aller krankheiten hat: eine familie! (und dann erzähl mir noch einer das das fernseh keinen bildungswert hat!)) die schunkelhymne “es steht ein pferd auf´m flur” singen, ja eher performen. zum abschluss der beerdigung werden alle sich nackt aus ziehen und zu madonnas ray of light xtc&lsd werfen und eine riesige orgie feiern. essen und trinken müsster aber selber mitbringen.
aber mal zurück zum thema: da der westen lockt und da ich ja ein schwacher charakter bin, werde ich jetzt ma hier öffentlich meinen umzuch nach berlin bekannt geben.
also haltet die ohren steif und immer schön aufessen und hausaufgaben machen, dann kann janischt schief jehn.

Parental Advisory-Explicit Content

Samstag, Mai 3rd, 2003

Was möchte uns das sagen??? Irgendwann mal -kürzlich- war ich in einem überteuerten Großhändler für CDs. Ich konnte mich entscheiden zwischen dem einfachen Album und der Limted Edition, mit Briefmarken, Poster und Schlüsselband.Wofürentscheide ich mich? Überraschender Weise fürs normale Album, welches sich mit dem Parental Advisory Logo schmückt! Nein, ich hab kein Gangata Rap Album gekauft, sondern das amerikanische Leben. Was mir schon verdächtig erscheint, hört man dann auch schon beim ersten Stück: Fuck Fuck Fuck. Was möchte Madonna uns also damit sagen? Keine Ahnung! Ich war ja schon entäuscht, dass sie das Video zu American Life zurückgezogen hatte, und mit einem furchtbar schlechten Notzusammenschnitt ersetzt hat (wer das Original gesehen hat, weis was ich meine!), oder um es mit Shakiras Worten zu sagen(und ich zitier Shakira nun sogarnicht in meinem Leben): Ein bißchen mehr Rückrat hät ich ihr schon zugetraut! Genau ich auch, aber woher kommt plötzlich diese Angst ? Sonst wars ihr ja auch egal, oder sollte es sich schon wirklich um das erste Alterswerk handeln, wo man im Alter ja so rührselig wird !
Whatever, das Album ansich, naja Frau Ritchie hört sich stark abgehetzt an, bei 2 Kindern, wirklich eine Offenbarung sind die Texte auch nicht, und die Musik, irgendwo zwischen Daft Punk und ja Neil Young. Richtige Kracher wie auf Ray of Light oder Music gibts auch nich, der schlechte BondSong ist auch noch mit raufgekommen, um wenigsten 11 Songs auf dem von Mirwais produzierten Album zu bekommen.
Nobody knows me, ist vom Sound schön, aber schon der Titel verrät die textliche Qualität. Und das neue Outfit? Irgendwie zwischen Alternativen Freiheitskämpferund der Dietrich mal wieder, dienur for the boys singt.Hat sich ja alles schon auf der letzten Tour abgezeichnet, spätestens letztes Jahr im Sommer auf dem Titel eines amerikanischen Magazins im strengen Military Look.Naja, mitweile dudelt ja in jedem Shoppingtempel Berlins das Album(kurz vorm Hörsturz im 3 Streifen FlagShipStore), was ja soviel heißt, dass wenigsten wir Homos Madonna einfach nicht schlechtes abgewinnen können.