VOlume 38

16. Februar 2003, 13:04 Uhr von Christian

Getunkt in Wasser – Casimir Maria Pflontzk
– Meine ersten Lebensjahre -
Mein Geburtsname stammt angeblich vom Uruzurgroßvater väterlicher Seite, der Alchimist und Stadtschreiber in einer nordböhmischen Stadt gewesen sein soll. Dies könnte meine Schwäche für synthetisch hergestellte Narkotika und Dorfgeschichten erklären. Aber sollen mich doch die Leichenfledderer analysieren. Mein Schicksal war damals für mich noch nicht absehbar, ich war einer dieser typischen orientierungslosen Dreijährigen mit einer Neigung zum Nihilismus, von denen es in unserer Dorfjugend nicht wenige gab. So soffen und rauchten wir uns um die Unschuld der Jugend, und ohne einige freundliche Fügungen des Zufalls oder des Glücks, wäre ich auch nur ein weiterer verbitterter, an Syphilis krepierender Student der Philosophie oder der Musik geworden, wie so viele aus meinem Jahrgang. Eine dieser glücklichen Zufälle war unsere schon erwähnte Suffplinse Trude Naht. Die Suffplinse war ein Original und wie es sich für Originale gehört, rankten sich im Dorfe allerhand Geschichten um sie. Im Jahr 1882 soll sie ihren Vetter in ein volles Weinfass eingeschlossen haben, um zu ihn drei Wochen gären zu lassen. Als sie ihn dann raus holte, war er von einem wankelmütigen Possenreiter (deutsch: Dorftrottel) zu einem jungen dynamischen Sozialdemokraten gewandelt. Sie erzählte, er hätte sie geküsst, laut ausgerufen das er die Welt endlich verstanden hätte und nun bereit sei für ihre Verbesserung einzustehen. Er zeigte ihr stolz seinen Parteiausweis und lief im Dorf herum und wollte alle umarmen und allen seinen Parteiausweis zeigen. Da er ordentlich gegärt hatte, waren die alkoholkranke, weibliche Jugend auch sehr froh, von so einem alkoholischen Sozialdemokraten ordentlich gedrückt zu werden. Aber wie das bei allen schönen Dingen ist, alle freuen sich nie. Und so wüteten der Klerus und die alten Schabracken in der nächsten Dorfgemeinderatsitzung und setzten durch, dass unser Dorf noch nicht bereit war für einen wirklichen Sozialdemokraten. So ward er verbannt und nie wieder gesehen. Aber es gab Gerüchte, er habe es viele Jahre später in der Stadt zu einigem gebracht. Man munkelt sogar von einem Ministerposten. Ja, die Suffplinse konnte so einiges, und auch wenn nicht immer klar war was denn eigentlich, so getraute sich keiner im Dorf sie zu unterschätzen.

Das nächste mal aus Getunkt in Wasser – Casimir Maria Pflontzk
– Meine ersten Lebensjahre – :

�kalt ist das bild / das du siehst / wenn du fliehst� oder
“Wie die Suffplinse Trude Naht auch mein Leben veränderte!”

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