Vorsicht Mehl
14. Februar 2002, 15:07 Uhr von FabianGestern in der Lounge hatte Sie eine Anwandlung von Freude verspürt. Geld war in der Menschenmenge kaum zu vernehmen gewesen, als das Ausmaß begann. 2,40 für weniger als alles war einfach unerträglich. Was sollte das. Während der letzten vier Jahre seit ‘45 hatte es sowas nie gegeben. Langsam verlor sie die Geduld und das Vertrauen in die neue Technik, wäre da nicht der unerträglich traurige Busfahrer. Nicht weniger als das halbe Glas war verloren, als er endlich erkannte, dass Gras nicht nur in Südamerika grün war. Es kotzte sie an. Das sagte sie ihm auch überhaupt nicht unverblümt. $26,3. Damit hätte man sich abfinden können, auch ohne gleich das Trapez schwingen zu müssen — eine Redensart, die ihr Boxlehrer seit Generationen an Hausfrauen mitgab, die ihn an der Supermarktkasse vorließen, wenn er noch mit groben Zügen eine Autobahntrasse malte. Er liebte die Kunst. Diesen Zwang etwas zu schaffen; frei ohne jeglichen Druck seiner Mutter. Sie wusste das nicht. Doch obwohl sie sich nie begegnet waren, stimmten sie tagtäglich zu einem Musterbeispiel eines Schlagers ein, das bis heute nie wieder südlich des Rheins vernommen wurde. Es war ihr 30. Geburtstag, letztes Jahr, als die Großstadt versuchte, sie zu verstehen. Er hatte es längst aufgegeben, und lebte viel zu glücklich auf einem Mastbetrieb inmitten von verfallenen Industrieanlagen irgendwo am Aralsee. Knapp acht Leute wussten davon, doch es sprach sich schnell herum; bald erkannte sie ihn, wenn sie nur das Radio einschaltete. Diese Ausstrahlung machte beide zu Brüdern im Geiste und in Panama. 289,9. Grund genug, sich der Tastatur abzuwenden, und auch mal was mit dem Kopf zu machen. Seit den 20er Jahren hing sie wie eine Geisel am technologischen Kampfwerkzeug wie eine Ratte am Schiffsrumpf. Die monotone Abfolge von knapp dreizig Variablen machte sie zum Sklaven. Im Vergleich dazu war er frei, ich betonte dies zuvor. Sein Denken begrenzte sich auf zwei, was die Auswahl nicht im geringsten verkomplizierte. Im Gegenteil, er beneidete sie um die Temperaturen, die während der Anbauperiode fast konstant im zweistelligen Bereich blieben. Kein Stapel von Körnern, die sich in alles fallen ließen, umgab ihre CD-Sammlung. So träumte er von ihr und sie von nichts, außer dem längst erreichten Status einer abgefahrenen Zitterpartie vom Anfang des neuen Jahrtausend, wenn nur die 10 nicht so rund wären…

Fabian Neumann