Vorsicht Mehl VI
18. Februar 2002, 20:27 Uhr von FabianMit blutgetränkten Buchrezensionen bestritt sie ihren Unterhalt seit nun mehr 46 Jahren. 21 Stück am Tag; sie verließ nie die Wohnung. 130. Die Freude darüber, nie geheiratet zu haben, ließ sie die dreieinhalb Stunden für das allmorgendliche Gebet wie eine Ewigkeit vorkommen. Es ist die gewisse Freiheit, die ein Mensch braucht, wenn er auf dem Rücken eines Kamels Chansons über die Heimat schreibt, der er nie gesehen hat. Ihre Heimat lag im garstigen Plätschern der Motoren, scharfzüngig in den Armen der Alllberta wiegend. Sie wünschte sich stets einen Bruder, den Markkkus. Doch der wollte nicht. Denn keine konnte so naturverbunden sein, wie die Geliebte eines Busfahrers. Aber er war mehr: er war allen alles; den Schöffen der Chauffeur, den Kindern der Gärtner und Staatspräsident der Mongolei a.D. gleichermaßen. Das eine mehr, das andere überhaupt nur zum Spaß. Den hatte sie schon lange nicht mehr: Cholera und wetterfeste Ellenbogenschoner waren nur zwei vergessene Gepäckstücke, die er ihr jeden Tag vor Bett legte. Dort lagen sie gut, fanden beide.

Fabian Neumann