Vorsicht Mehl III
26. Februar 2002, 20:58 Uhr von FabianSo geschah es mitten an einem Hochsommertag irgendwo in der
Taiga, dass
sich unser Held, ich möchte ihn ausnahmsweise so bezeichnen,
bis auf
weiteres zurückzog. Er war einfach nicht zum Führer geboren.
Eine
Tatsache, die sie sich während ihrer Kokainsucht gern zu nutze
machte,
um alle anliegenden Steuerfragen in einem ruhigen Gepräch zu
klären.
Das begleitende Geschrei in der Fußgängerzone, das ihm
tagtäglich den
morgendlichen Raureif auf die Augenlider blies, verstummte
auch dann
nicht. Eine bessere Okkasion ließ sich aber weder für sie noch
für ihn
finden. So ritualisierten sie es dann auch in den folgenden
Jahrzehnten.
Gründe dafür offenbarte ihm jede Türklinke, die nicht von
einer
mindestens zweieinhalb Mikrometer hohen Schicht Chrompolitur
besessen
und in ihrer Existenz bestärkt wurde. Sie beneidete ihn
deswegen. Vor
allem jedoch die Klinke; denn alles was ihr am Ende einer
Produktionsreihe des neuen Volkswagen blieb, war die
Gewissheit einer
Urahnin in besonderer Genugtuung gewürdigt zu haben. Dieser
Mangel an
Vergeltung zukünftigen Generationen gegenüber, machte sich in
ihrem
absolut unausgereiften Sinn für Macht und gewaltlose
Nachmittagsdiskussionen bemerkbar. Geld und Macht; so konkret
wie
Assoziationen über Schmerz und Unterhaltsbehörden, die den
großartigsten Schauspielern in einem monatelangen Krampf von
Trainern
der einfachen Ideologie eingetrichtert werden. Davon konnte
er ein
Lied singen. Doch er hasste die Kunst. Sein Steckenpferd war
ein alter
Gaul, gekauft in einem Vier-Sterne-Hotel in der Mittelmark
des
Brandenburger Landes. Das waren Zeiten anno 1973, als die
80er Jahre
endlich in Vergessenheit gerieten und Hochzeitstage selbst
für
Bahnbeamte noch ein Ritual selbstvermarktender Lobpreisung
waren. Da
wurden Könige geboren. Sie hingegen interessierte sich damals
für
Angler und hoch gewachsene Weihnachtsplatten im Kinderzimmer
ihres
Stiefvaters. Nie sollte sie über den Schmerz hinwegkommen,
als die
billigen Zedernimitate von kanadischen
Verschwörungspraktikern erst
geächtet und später völlig ignoriert wurden. Seitdem fand sie
in der
High Society ihre erste Heimat; Radkappen wurden versichert,
Jutesäcke
mit Reis gefüllt und ein Weg aus der ewigen Flut ins wohlig
unterkühlte Schwaben gefunden, wo kurz vor der
Weltwirtschaftskrise
gerade das erste Busunternehmen gegründet wurde.

Fabian Neumann