Aus Michel Houellebecqs “Elementarteilchen”

25. Dezember 2001, 23:50 Uhr von Sebastian

In sexueller Hinsicht hatte das Jahr für ihn gut angefangen. Die Ankunft der Mädchen aus den ehemaligen Ostblockstaaten hatte die Preise gesenkt, jetzt konnte man ohne Schwierigkeiten eine individuell gestaltete Massage, die noch wenige Monate zuvor 400 Franc gekostet hatte, für 200 Franc bekommen. Unglücklicherweise hatte er im April eine teure Reparatur am Wagen gehabt, noch dazu war es seine Schuld. Die Bank hatte begonnen, ihm Druck zu machen, und er hatte sich wohl oder übel einschränken müssen.
(…)
Eines der Mädchen, eine zierliche Brünette, kam aus der Dusche und ergriff ein Badetuch; sie frottierte zufrieden ihre jungen Brüste. Eine kleine Rothaarige streifte ihren Slip ab und ging in die frei gewordene
Dusche; die Haare ihrer Möse waren rotblond. Bruno stönte leise, wurde von einem plötzlichen Schwindel erfaßt. Im Geist sah er, wie er dort hinging. Er hatte das Recht, seine Unterhose auszuziehen, zu den Duschen zu gehen und dort zu warten. Er hatte das Recht dort zu warten, um sich zu duschen. Im Geist sah er, wie er mit einem Steifen vor ihnen stand; er stellte sich vor, er würde einen Satz zu ihnen sagen, wie etwa:”Ist das Wasser heiß?” Die beiden Duschen waren nur fünfzig Zentimeter voneinander entfernt; wenn er sich neben der kleinen Rothaarigen duschte, würde sie vielleicht zufällig seinen Schwanz streifen. Bei diesem Gedanken wurde er von einem heftigen Schwindel erfaßt;er klammerte sich an den Rand des Waschbeckens. Im gleichen Augenblick stürmten zwei Jungen mit übertrieben lauten Gelächter von rechts herbei; sie trugenschwarze, mit Neonstreifen besetzte Shorts. Brunos Schwanz schlaffte augenblicklich ab, er schob ihn wieder in die Unterhose und konzentrierte sich auf seine Zahnpflege.

Leave a Reply